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Sardinien
ist nicht nur geograhisch betrachtet
eine Insel: als abgelegener Landstrich
blieb es viele Jahrhunderte in seine
archaische und strenge Kultur, in
seine Mühe und in seine Würde
eingeschlossen. Landwirtschaft und
Viehzucht sind seit jeher die Grundlagen
der sardischen Wirtschaft gewesen.
In den Sechziger und Siebziger Jahren
kam dann der Tourismus-Boom, die «Entdeckung»
des wunderbaren Meeres der Insel und
der immensen Möglichkeiten für
die Urlaubsindustrie. Noch heute sind
die Gegensätze offensichtlich
und der Schock des so jähen Übergangs
von Alt auf Neu - der zwar vor allem
die Küsten betrifft, sich jedoch
auch auf die ganze Insel niederschlägt
- ist noch nicht ganz verwunden.
Einige
Traditionen bestehen weiter, die Folklore
ist immer noch die reichste und lebendigste
Italiens und die Schätze der
typischen Kultur der Landwirtschaft
und Schafzucht sind fast unberührt.
Die Tafel - ehrlicher Spiegel des
Lebens, der Geschichte und der Geographie
- ist demnach sehr an das Land gebunden,
an die harten Lebensbedingungen des
Schäfers und an die noch heute
gefeierten religiösen und heidnischen
Feste. Die Tradition auf dem Gebiet
des Weins ist sehr alt und die Vielzahl
der Rebsorten ist bemerkenswert. Die
Weinherstellung hat in den Siebziger
Jahren einen treibenden Schub und
eine Erneuerung erlebt und dadurch
eine eigene Identität und ein
Niveau von grossem Interesse erreicht.
Vom
berühmten Vernaccia di Oristano
bis hin zum Vermentino, zum Cannonau:
die sardischen Weine haben heute einen
gewissen Ruhm erlangt und befinden
sich im Wachstum.
Die
Küche dagegen lebt - wie die
südlichen Küchen im Allgemeinen
- immer noch fast ausschliesslich
in den Familien. Selten und nur in
wenigen Gerichten offenbart sie sich
dem Touristen. Sie ist einfach, «sauber»,
hat naturreine Zutaten und essenzielle
Geschmacksnuancen, und sie kann in
zwei Kapitel eingeteilt werden, die
verschiedenen Orten entsprechen. Die
ältere und charakteristischere
sardische Küche aus dem Inselinneren
ist eine Küche «der Erde»:
ihre Schwerpunkte sind gebratenes
Fleisch (wildlebende Tiere, Wildbret,
und junge Schweine, die «porceddi»),
Brot, Milchprodukte, Honig, Wurstwaren,
Gemüse. Eine Küche der Schafhüter
und der Bauern also, aromatisiert
von Gewürzkräutern und duftendem
Holz, mit deutlichen, jedoch nicht
scharfen Geschmacksrichtungen; und
häufig eine rituelle Küche,
die seit Jahrtausenden unveränderte
Handgriffe wiederholt und präzise
symbolische Bedeutung hat.
Die
andere sardische Küche ist, auch
wenn sie ebenfalls mehrere Jahrhunderte
aufweist, jünger und eine Küche
«des Meeres». Der Ursprung
setzt sich aus vielen Echos und Reminiszenzen
der Nomenklatur zusammen. Tatsache
ist, dass die Sarden niemals Seeleute
gewesen sind; sie zogen es vor, sich
im Inselinneren niederzulassen, anstatt
an den malariaverseuchten und von
wilden Piratenangriffen bedrohten
Küsten, die ausserdem arm an
natürlichen Häfen sind,
zu siedeln. So war das reiche Meer
vor Sardinien den hier Ansässigen
unbekannt, zumindest bis andere Völker
kamen, Seefahrer und Matrosen, die
sich dort mehr oder weniger als Herren
niederliessen. Spanier und Genueser,
die Sardinien in unterschiedlichen
Zeitperioden beherrschten, hinterliessen
auch in der kulinarischen Tradition
ihre Spuren. Die «cassola»,
eine Spezialität aus dem Gebiet
um Cagliari, ist eine Fischsuppe mit
eindeutig spanischem Ursprung; gleiches
gilt für das «mazzamorru»,
eine Suppe aus altbackenem Brot, die
einst das Gericht der Galeerensklaven
des spanischen Seewesens war; und
das «scabecciu», das Marinieren
in Essig, das gewöhnlich für
die Meeräschen reserviert ist,
kommt vom katalanischen «escabet».
Nach
Genua führen dagegen die «burridda»,
die in Sardinien jedoch etwas ganz
anderes wird als die ligurische Fischsuppe:
sie besteht ausschliesslich aus gekochtem
Katzenhai, der von einer Sauce aus
Öl, Knoblauch, Essig und gehackten
Nüssen bedeckt und als Antipasto
serviert wird. Sizilianische Herkunft
weisen die Rezepte für den Schwertfisch
auf, der im Süden der Insel nach
dem gleichen System und demselben
typischen Ritual der sizilianischen
«mattanza» gefangen wird.
Ligurer, Sizilianer und in jüngeren
Zeiten auch Einwohner aus dem Latium
und der Toskana, haben sich an den
sardischen Küsten niedergelassen,
um aus dem Meer eine Arbeit zu ziehen;
und so haben sie nach und nach auch
die Menschen vor Ort gerufen und zum
Meer bekehrt. Der Fischfang ist reichlich
und die Fischwelt zählt die wertvollsten
Sorten: und wenn auch ein Sommerurlaub
auf Sardinien nicht das Kennenlernen
vieler origineller Rezepte auf der
Grundlage von Fisch bedeutet, hat
man dafür die Möglichkeit,
herrliche Langusten und andere ganz
frische Sorten zu kosten.
Interessant
ist ausserdem der Lagunen- und Küstenfischfang
in Oristano und im Gebiet Campidano
im Südwesten. Die typischste
Spezialität ist die «merca»,
ein konservierter Fisch (gewöhnlich
Meeräsche), der in reichlich
gesalzenem Wasser (einst nahm man
Meerwasser) gekocht und dann mit einem
lokalen Sumpfkraut aromatisiert wird,
das ihm einen ganz eigenen Geschmack
verleiht. Ein anderes Rezept findet
sich auch in Sizilien: die «buttariga»
(besser bekannt unter dem Namen bottarga):
es handelt sich um die Eier vom Thunfisch
oder - noch wertvoller - von der Meeräsche,
die gesalzen und unter Gewichten,
die sie entwässern sollen, getrocknet
werden. Man isst sie in hauchdünne
Scheiben geschnitten mit Tomaten als
Salat oder mit Öl als Nudelsosse:
ein Geschmack nach wildem, mutigem
und aufregendem Meer.
Doch
verlassen wir nun das kristallklare,
transparente Meer und die wild umtosten
Küstenfelsen, um ins Herz der
Insel vorzudringen und ihre alten
Geschmacksnuancen zu suchen. Im Mittelpunkt
der traditionellen sardischen Ernährung
steht das knusprigste, duftendste
und zugleich einfachste Nahrungsmittel
überhaupt: das Brot. Hier ist
das Brot ein Ausdruck des Festes und
der guten Wünsche; es passt sich
an die verschiedenen Lebensumstände
an; es folgt dem Schafhirten auf seinen
langen Abwesenheiten von daheim; und
es nimmt unterschiedliche Formen und
Namen an, je nach Ort und Gedenktag.
Da gibt es das Brot in grossen runden
Formen, das man in Scheiben schneidet
und «pani tunni» nennt,
das «pizzuda» aus der
Stadt Barbagia, ein dreieckiger Fladen,
das «tanconi», ein Brot
mit Spitzenbesatz, und das «zicchi»
oder auch «scaddatu»-Brot,
rund und flachgedrückt und ohne
Brotinneres.
Am berühmtesten
auch ausserhalb der Insel ist das
Brot «carasau», das auf
den glücklich gewählten
Namen «carta da musica»
(Notenpapier) umgetauft wurde: es
handelt sich um das Brot, das das
Volk für die Begleitung der Schafhirten
auf den Weiden erfunden hat. Es ist
trocken, hauchdünn und leicht
und besteht aus runden, aufeinanderliegenden
knusprigen Blättern: es hält
sich unverändert lange Zeit und
wird von ein wenig Wasser aufgeweicht
verzehrt. Wenn die Schäfer es
zusammen mit Käsescheiben verzehren,
werden daraus «i suppas»
oder auch, reichhaltiger mit Tomaten
und Eiern, das «pane frattau».
Und
dann gibt es noch das Brot für
die besonderen Anlässe, durch
das die authentischste Folklore lebendig
wird. Das Brot folgt wie die Süssspeisen
als ergänzendes Element dem Lebenszyklus
und unterstreicht die wichtigsten
Etappen. Im Handel findet man sie
selten, denn diese Produkte werden
im Kreis der Familie unter eifersüchtiger
Liebe zu den alten Bräuchen hergestellt.
Das Brot für den Tag der Hochzeit
wird mit einer besonderen Inspiration
zubereitet: der gut aufgegangene Teig
wird mit den Fingern und dem Messer
modelliert, bis Girlanden, Tiere,
Blumenbeete und gotische Kathedralen
zu sehen sind. Und wenn die Köchin
den Teig in den Ofen schiebt, spricht
sie den rituellen Satz: «Im
Namen des Vaters und der Hl. Rosa,
damit du gut gelingst als ein Brot
für die Braut».
In einigen
Orten wird das Brot der Brautleute
von der Nachbarschaft als Geschenk
gebracht, und man dekoriert es mit
bunten Papierschnipseln und Immergrün,
einem Symbol der Fruchtbarkeit und
des Glücks. Am Tag der Taufe
wird das Brot wie eine Spitze zubereitet,
um die Freude über das neue Leben
auszudrücken. Am Todestag wird
das Brot aus Vollkornmehl gebacken:
seine Farbe soll die Trauer und das
vergangene Leben unterstreichen.
Die
Zubereitung des Brotes, auch die des
einfachsten und täglichen, ist
ein religiöser Vorgang. «Deus
bos vardet» (Gott grüsse
Euch), so grüsst man, wenn man
in ein Haus tritt, in dem die Frauen
gerade den Teig kneten. Und «Nos
benedicat» (Er segne uns) ist
die obligatorische Antwort. Die Gesten
sind genau, intensiv und lithurgisch.
Die Hauptakteure sind stets die Frauen.
Den Männern dagegen ist die Zubereitung
des Fleischs anvertraut, ein anderer
Eckpfeiler der sardischen Tafel. Jeder
Schäfer weiss seinen Spiess mit
einem Baumzweig zuzubereiten und er
kennt die Technik, ihn mittels gleichmässiger
Bewegungen zu drehen. Vorzugsweise
werden die «porceddi»
zubereitet. Man steckt sie auf einen
Stock vom Erdbeerbaum und würzt
sie lediglich mit Salz und ein paar
Tropfen Speck. Unerlässlich ist
dagegen die Zugabe von Gewürzkräutern:
Minze, Rosmarin, Myrte, Lorbeer und
Salbei verleihen dem Fleisch, das
durch langes und geschicktes Garen
butterweich wird, Geschmack und unnachahmlichen
Duft.
Eine
alte, mittlerweile fast verschwundene
Zubereitungsweise für Braten
heisst «carraxiu»: Man
gräbt ein Loch in den Boden,
legt duftendes Brennholz hinein, bedeckt
dies mit einer Schicht Myrtenblätter,
legt schliesslich das ganze Tier (Kalb,
Wildschwein, Zicklein, Mufflon, und
das typische Ferkel) darauf und bedeckt
es mit einer weiteren Schicht aus
Myrtenblättern. Zum Schluss legt
man brennende Holzscheite darauf,
die das duftende Fleisch langsam garen.
Eine triumphale Vielfalt dieses Festbratens
entsteht, wenn man anstelle eines
Tieres verschiedene Sorten brät,
und zwar eins im anderen. Dieser alte
Brauch des Gebietes Nuorese, insbesondere
von Villagrande, heisst «malloru
de su sabatteri». Ein Kalb wird
ausgenommen und mit einer Wildziege
gefüllt, die wiederum ein «porceddu»
enthält, in dem ein Hase steckt,
der ein mit einem Vogel gefülltes
Rebhuhn beinhaltet. Eine Art chinesische
Schachtel, wobei jedes Tier geschickt
gekocht werden muss: die Aufgabe des
Dorfschusters. Diese Kochtechnik hat
wahrscheinlich die Köche am Hofe
der Savoyen (der unter dem Druck Napoleons
von 1806 bis 1814 nach Sardinien gezogen
war) auf die Idee für ein ausgesuchtes
Rezept gebracht: der Fasan «in
cocotte» wird mit einem Truthahn
gefüllt gegart.
Die
Zubereitung des Schweins, sei es draussen
oder im häuslichen Kamin, ist
immer Männersache; bei Festen
ist es sogar eine Ehre, die dem Erfahrensten
zusteht, und es handelt sich um keine
einfache oder leichte Aufgabe. Während
die ganze Familie zur Messe geht,
bleibt er an seinem Platz, bis das
Fleisch goldbraun und gar ist, wie
es sich gehört. Am Osterfest
ist dagegen das Lamm der Hauptdarsteller
des grossen Festessens, gemeinsam
mit den spektakulärsten und fantasiereichsten
Süssigkeiten.
Aus
dem Schweinefleisch nun macht man
nicht nur duftende Braten, sondern
auch ausgezeichnete Wurstwaren. Köstlich
sind der Schinken mit dem leicht wildem
Geschmack und auch der Wildschweinschinken;
ein von Feinschmeckern gefragter Leckerbissen
ist die Wurst, die gepfeffert, mit
Fenchelsamen reichlich gewürzt
und mit Essig getränkt wird und
dann in den Küchen neben dem
Herd lagert und dabei angenehm räuchert.
Doch es finden sich auch Würste
mit reichlich Knoblauch oder aromatischen
Zimtgeschmack. Man isst sie roh, geröstet,
oder mit Tomatensosse vereint zu Nudeln.
Die typischsten sardischen Nudeln
sind die «malloreddus»,
die auf den Speisekarten aller Restaurants
und Gaststäten stehen. Ihr Name
leitet sich vom lateinischen «malleolus»
ab, das sich auf ihre rundliche Form
bezieht, die nicht grösser als
ein Fingerglied ist. Man erhält
sie, indem man den Teig gegen das
Gitter eines Siebs drückt, das
«ciuliru» genannt wird,
doch heute werden sie industriell
und von handwerklichen Werkstätten
hergestellt. Es gibt auch traditionelle
gefüllte Nudeln, wie die «culingiones»,
Ravioli, die auch «angiulottus»
genannt werden und mit Ricotta oder
Kartoffeln, seltener mit Fleisch gefüllt
sind.
Als
Paradies für Jäger hat Sardinien
zahlreiche Rezepte für Wildbret
auf Lager. Ein typisches Rezept sind
die «is pillonis de tacculas»;
Vögel (Amseln und Drosseln) werden
mit dem Netz gefangen, um das Fleisch
nicht zu verderben, und gerupft, aber
nicht ausgenommen. Traditionsgemäss
werden sie in Wasser und Salz gekocht,
am Schnabel gebunden und in einen
Sack voller Myrte gelegt, um Geschmack
anzunehmen. Diese ungewöhnliche
Köstlichkeit bleibt ein Privileg
für wenige Touristen, die das
Glück haben, Freunde in Sardinien
zu haben. In der Jagdzeit kann man
mit der gleichen Technik das Huhn
zubereiten. Das sardische Produkt
mit den grössten Exportzahlen
ist der herrliche Pecorinokäse
«cacio fiore», König
der Schafzuchtprodukte: er hat einen
weissen und kompakten Teig und einen
süsslichen Geschmack, der mit
zunehmender Reifezeit angenehm pikant
wird. Ebenfalls mit der Schafsmilch
produziert man Ricottas, die einen
mehr oder weniger starken Geschmack
haben und häufig im Ofen gegart
werden. Dazu kommt eine ganze Palette
von Ziegenkäsen mit unterschiedlichen
Reifegraden. Mit der Kuhmilch bereitet
man den süsslichen Käse
«fresca» zu, der dem lombardischen
«crescenza» ähnelt.
Zarte Käse stellt man auch in
sanften und kindlichen Formen (Pferdchen
und Statuen z. B.) her; sie heissen
«gioghittus de casu» und
man schenkt sie Kindern.
Die
Region ist ausserdem sehr reich an
Gemüsesorten und Gewürzkräutern.
Der Safran ist hier von ausgezeichneter
Qualität und wird hauptsächlich
im Gebiet von San Gavino angebaut.
Er wird jedoch zum Grossteil vom lokalen
Bedarf aufgebraucht. Mindestens 40%
der sardischen Gerichte sehen nämlich
die Verwendung des wertvollen Gewürzes
vor, angefangen bei der einfachen
Brühe bis hin zum Kalbsgulasch
und dem charakteristischen «ghisau
de cabbosix», einem mildem Hühnergulasch.
Das typischste Gericht ist vielleicht
«Su Saccu», dünne
Bandnudeln aus Griess und Wasser,
die abwechselnd mit säuerlich
gemachten Pecorinoscheiben und Safranstempeln
geschichtet werden. Das Ergebnis ist
ein regelrechter und sehr vornehmer
Nudelauflauf.
Wir
wollen auch an die Paprikaschoten
erinnern: die meistverbreiteten sind
die länglichen grünen und
roten und die länglichen und
quadratischen grünen und gelben.
Sie können süss und scharf
sein. Man bereitet sie zu in Öl
eingelegt, in Essig oder in Süsssauer,
aromatisiert mit wild wachsenden oder
ortstypischen Gewürzen.
Es werden
auch die scharfen cayenne-artigen
Chilischoten und die sogenannte ciliegia
rossa (rote Kirsche) in den Handel
gebracht. Es gibt zwei Zubereitungsweisen:
an der Sonne getrocknet und danach
zu Pulver verarbeitet oder im ganzen
Stück und in Öl konserviert,
das später dann verwendet wird,
um verschiedene Rezepte geschmacklich
zu verfeinern.
Die
Tomaten schliesslich werden vor allem
im Norden der Insel produziert, in
den Gebieten von Alghero, Campidano
und Logudoro. Es gibt verschiedene
Bewirtschaftungen, die biologische
Kriterien anwenden und auf Pflanzenschutzmittel
und chemische Dünger verzichten.
Viele handwerkliche Betriebe mit Erfahrung
aus der häuslichen Tradition
gewinnen aus ihnen Konserven oder
Sosse in Flaschen oder sie legen die
Tomaten nach dem Trocknen in der Sonne
in Gläsern in Öl ein.
Eine
Besonderheit sind die «bucce
di melone sott'olio». Diese
typische Zubereitung aus dem Gebiet
von Orune, in der Provinz Nuoro, hat
einen nicht weit zurückliegenden
Ursprung. Während des Ersten
Weltkriegs war Sardinien zwar reich
an Olivenöl, doch arm an Lebensmitteln.
Man dachte also an die bucce di melone,
an Melonenschalen also, die in Wasser
und Essig gekocht und danach getrocknet
und in Gläsern mit Öl, Knoblauch,
Petersilie und Origano konserviert
wurden. Man stellt sie im Sommer her,
wenn die Melonen frisch und schmackhaft
sind. Nach nur einem Monat Lagerung
in luftigen und dunklen Kellern sind
sie fertig und sie halten sich lange.
Die
grundlegenden Zutaten der charakteristischsten
unter den überaus zahlreichen
sardischen Süssspeisen sind Käse
und Honig: der Name ist «sebadas»
und sie kommen ursprünglich aus
Barbagia, finden sich jedoch auch
in Gallura. Sehr verbreitet ist auch
Gebäck auf der Grundlage von
Mandeln, das häufig mit Orangenblüten
aromatisiert wird; jedes Dorf hat
seine Spezialitäten. Da wären
z. B. die Amaretti aus Oliena, die
«niuleddas» aus Gallura
(Torrone-Rechtecke), die «suspirus»
aus Ozieri (wiederum aus Mandeln),
die köstlichen weichen Torrone
mit einer unendlichen Vielfalt und
den Hauptzutaten Mandeln, Honig und
Schale von Zitrusfrüchten, und
die «pabassinas» auf der
Grundlage von getrockneten Trauben,
zu finden in vielen Teilen Sardiniens
und Tradition an den feierlichsten
religiösen Festen.
Zu Tisch
in Sardinien
Sardinien
gehört zwar seit Mitte des 19.
Jh. zu Italien, geht aber kulinarisch
eigene Wege. Was den Italienern die
Pasta, ist den Sarden das traditionelle
Hirtenbrot: Es bildet die Grundlage
vieler Gerichte und ist noch heute
als Beilage unersetzlich. Wenn die
Sarden Pasta essen, dann sind das
vor allem Teigtaschen wie Aurelias
CULURGIONIS.
An der
Küste wird mit dem gekocht, was
die Fischer einholen: Sardinen, Thunfisch
Langusten. Die Hirten und Bauern im
Inneren der Insel verwenden Produkte
der Agrar- und Weidewirtschaft: Getreide,
Bohnen, Tomaten, Kartoffeln, Auberginen.
Fleisch,
Milch und Käse von den Schaf-
und Ziegenherden, denen eine buschige
Macchia aus Rosmarin, Thymian, wildem
Fenchel, Wacholder, Minze und Myrte
als Nahrung dient. Über das Meer
kamen weitere Gewürze wie Orangenblütenwasser,
Zimt, Muskatnuss und Safran nach Sardinien.
Die Spanier führten feines Olivenöl
ein.
Nudelteigtaschen
Sardisches Fladenbrot
Pane Frattau
Peccora in Cappoto
Sebadas
Pardulas
Quelle:
g26.ch
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